Viel wird geschrieben und berichtet über das neue Stadtentwicklungsgebiet rund um den ehemaligen Schlachthof St. Marx. Aber die Publicity hätten sich die Betreiber und Vermarkter wohl ein bisschen anders gewünscht. Denn zuletzt machte ein Teil des viel gepriesenen Areals Neu Marx – nämlich das ebenso gepushte Teilprojekt Media Quarter Marx – mit politisch sensiblen Verknüpfungen Schlagzeilen. Dabei hat das Gebiet durchaus städtisches Entwicklungspotenzial und entsprechende Projekte wurden bereits umgesetzt. Und viele ehrgeizige Vorhaben warten noch auf die Realisierung.

 

Neu Marx liegt im Stadtteil von St. Marx im 3. Wiener Gemeindebezirk. Die Gesamtfläche von rund 37 Hektar wird durch den Rennweg, die Schlachthausgasse, die Baumgasse und die Litfaßstraße begrenzt. Bis 2016 soll sich Neu Marx zu einem modernen Wirtschaftsstandort entwickeln, wo zumindest 15.000 Menschen arbeiten und leben werden, heißt es bei der dafür zuständigen Wien-Holding-Tochter WSE (Wiener Stadtentwicklungsgesellschaft). Der wirtschaftliche Schwerpunkt des Areals wird auf Medien, Forschung und Technologie gelegt. Der Name des Gebietes leitet sich übrigens nicht von Karl Marx ab: Eine spätmittelalterliche Kapelle im Gebiet St. Marx war dem Heiligen Lazar geweiht. Im 13. Jahrhundert wurde diese auf Markuskapelle umbenannt – aus dem heiligen Markus wurde im Volksmund „Marks“ bzw. „Marx“. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis Ende des 20. Jahrhunderts war dieser Stadtteil vor allem für sein Schlachthaus und den zentralen Viehmarkt bekannt.

 

Die WSE setzt bei ihren Vermarktungsbemühungen auf ausgewogenen Nutzungsmix: von gewerblichen und Büro-Flächen bis zu Hotel- und Wohnprojekten reicht das Angebot. Viele Einheiten werden bereits genutzt:

 

Campus Vienna Biocenter (VBC)

Rund 20 Institutionen und Unternehmen sowie 1.900 Wissenschaftler und Studenten sind auf den über 67.000 Quadratmeter Labor- und Büroflächen für Life Sciences tätig. Seit 2010 wird das VBC erneut erweitert. Und ab 2014 errichtet die WSE gemeinsam mit der S+B Gruppe bis 2016 rund 32.000 Quadratmeter weitere Nutzflächen, die im Endausbau insgesamt mehr als 100.000 Quadratmeter für Life Sciences anbieten soll.

 

Marxbox

Im Verbund mit dem Campus Vienna Biocenter ist die Marxbox zu sehen. Die Bauphase 1 des Projektes wurde im Frühjahr 2011 fertiggestellt und bietet eine Fläche von ca. 6.800 Quadratmetern, die Bauphase 2 brachte mit der Fertigstellung im Frühjahr 2012 rund 4.900 Quadratmeter vermietbare Fläche. Die Marxbox ist als multifunktionales Labor- und Bürogebäude konzipiert. Die Raumhöhe ist so geplant, dass neben der vorgesehenen Labornutzung bei Bedarf auch eine einfache Büronutzung möglich ist. Die gesamte Haustechnik wurde auf die flexible Nutzung abgestimmt. Interessantes Detail: Die Marxbox stülpt sich über das denkmalgeschützte Gebäude am Eingang zum Stadtentwicklungsgebiet Neu Marx – Modernes soll auf Traditionelles treffen.

 

UPDATE MEDIA QUARTER MARX

 

Bis zuletzt blieb es spannend: Wem wird das Media Quartier Marx ab 1. Jänner gehören? Konkret ging es um den 40-Prozent-Anteil des Projektes, der der Stadt Wien über ihre Technologie-Tochter ZIT gehört. Das als PPP-Modell geführte Zielgebietsentwicklungs-Vorhaben Media Quartier Marx mit seinem Kernstück MQM3 stand in den letzten Monaten unter aufmerksamer Beobachtung. Hintergrund: Über mehrere Ecken bzw. in Form der VBM Beteiligungsmanagement GmbH galt der ehemalige kasachische Botschafter in Österreich, Rakhat Aliyev, als privater Partner des Media Quarter Marx. Und diesem privaten Partner wurde 2010 eine Kaufoption auf den „öffentlichen“ Anteil von 40 Prozent eingeräumt. Einzulösen bis 31. Dezember 2013. Nun verlautete die zuständige Wirtschaftsagentur der Stadt Wien, dass die Kaufoption nicht gezogen geworden ist – die Stadt bleibt weiterhin Miteigentümer. Und sucht neuerlich nach einem Interessenten für ihren Anteil.

Marx Halle (ehemalige Rinderhalle)

Die Marx Halle wurde im Zuge des Aus- und Neubaus des Schlachthofs erbaut. Sie entstand zwischen 1880 und 1883 und gilt als die erste Schmiedeeisenkonstruktion Wiens. Sie besteht aus zwei dreischiffigen Hallen, die durch eine überdachte Fahrstraße verbunden sind. Sie ist 114 Meter breit, 175 Meter lang und ihre Gebäudehöhe beträgt bis zu 17 Meter. Seit 1997 ist die Marx Halle denkmalgeschützt. Von Sommer 2006 bis April 2007 wurde sie von der WSE generalsaniert. Jetzt wird sie in drei Phasen ausgebaut. In der ersten Phase wird die Halle für temporäre Events vermietet. In Phase 2 soll ein Gastronomie-Angebot etabliert werden. Im Endausbau wird die Marx Halle auf 20.000 Quadratmeter Nutzfläche der zentrale Treffpunkt für Gastronomie- und Event-Interessierte am Areal Neu Marx sein.

 

Robert-Hochner-Park

Der Park wurde von der WSE errichtet (und mit Mitteln der EU gefördert) und im August 2009 offiziell eröffnet. Er hat eine Fläche von rund 3.000 Quadratmetern und liegt mitten im Stadtentwicklungsgebiet zwischen dem T-Center, dem Bürohaus Solaris, dem Büro- und Laborgebäude Marxbox und der generalsanierten denkmalgeschützten Rinderhalle. Der Park soll als Erholungsfläche genutzt werden: Wasser- und Nebelspiele, Loungemöbel und schattige Plätze laden zum Verweilen ein. Ein Wegenetz ermöglicht die Durchquerung des Parks in alle Richtungen.

 

Solaris

Solaris – 2009 fertiggestellt – ist ein auf Büro- und Labornutzung ausgerichtetes Objekt mit 9.000 Quadratmetern Nutzfläche. Aufgrund moderner Klimatechnologien gilt das Gebäude als ökologisch fortschrittliches „Green Building“ mit niedrigen Betriebskosten. Auf dem Dach ist eine große Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von ca. 30 kW installiert. In dieser Immobilie wollte man moderne Technik, Funktionalität und Flächeneffizienz mit Energiebewusstsein koppeln. Zusätzliches Asset: Großzügige Terrassen und der Robert-Hochner-Park direkt vor dem Gebäude sollen zur Lebensqualität am Arbeitsplatz beitragen.

 

T-Center

Das Gebäude mit einer Nutzfläche von rund 120.000 Quadratmetern zählt zu einem der dienstältesten Gebäuden in Neu Marx. 2004 wurde der aus vier Baukörpern, dem Sockelbereich, der öffentlichen Zone auf Rennweg-Niveau, dem 13-geschoßigen „Flügel“ und dem „Finger“ bestehende Komplex fertiggestellt und zur Nutzung übergeben. Geschäfte, Restaurants, ein Kindergarten und ein Ärztezentrum sollen den Alltag mit der Arbeitswelt gut verbinden.

 

Wohnbauten Karree St. Marx

Seit Sommer 2010 sind alle 406 Wohnungen der Wohnbauträger Sozialbau, ÖSW und Bauhilfe bezugsfertig und vermietet. Neben der günstigen Lage (nahe dem Zentrum, inmitten einer Parklandschaft) bietet das Karree ein vielfältiges Wohnungsangebot. Zielgruppe sind junge Familien: Nicht nur „leistbarer“ Wohnraum, auch soziale Infrastruktur wie der im Jahr 2010 eröffnete Kindergarten sollen die Klientel ansprechen. Die Gesamtbaukosten für das Projekt betrugen rund 18 Millionen Euro, die Stadt Wien förderte mit 6,3 Millionen Euro.

 

Austria Trend Hotel Doppio & Doppio Offices

Zu den jüngsten Architektur-Projekten gehört ein Hotel- und Büro-Komplex zwischen Rennweg und Marianne-Hainisch-Gasse: das Vier-Sterne-Austria-Trend-Hotel Doppio und das Bürogebäude Doppio Offices (entwickelt von Porr Solutions). Im Mai 2012 war Eröffnung. Das Hotel mit 155 Zimmern soll viele Synergien mit dem Bürobetrieb entwickeln: Neben der klassischen Portierfunktion wird das Hotel Dienstleistungspakete anbieten, die zum Beispiel Angebote rund um den Bereich Gastronomie und Seminare oder Spezialkonditionen für die Übernachtung von Geschäftskunden vorsehen. Die Büroflächen von Doppio Offices haben auf rund 7.500 Quadratmetern frei wählbare Grundrissformen, Doppelböden und Klimatisierung.

 

Hochgarage Neu Marx

Natürlich darf Raum für den Individualverkehr bei einem solchen Stadtentwicklungsareal nicht fehlen. Die Hochgarage Neu Marx der List Group auf rund 10.000 Quadratmetern wurde im Herbst 2011 fertiggestellt. Das Garagenprojekt unterhalb eines Teilstücks der A23 gegenüber der Rinderhalle an der Hermine-Jursa-Gasse umfasst rund 540 Stellplätze. Speziell für die bereits bestehenden Bürogebäude als auch für die Neukonzeptionierung der noch entstehenden Neu-Marx-Projekte soll Platz für Fahrzeuge geschaffen werden. Platz gibt es auch für die hohe Kunst: An der Außenfassade der Einfahrt hängt ein 54 Quadratmeter großes, dreiteiliges Bild des österreichischen Fotokünstlers Thomas Strini. Es stellt den heiligen Christophorus, Schutzherr der Reisenden, in zeitgenössischen Szenen dar.

 

Media Quarter Marx

Dieses Projekt gehört derzeit wohl zu den umstrittensten Bauprojekten der Stadt, nicht nur wegen in Diskussion stehender Eigentumsverhältnisse einiger Betreibergesellschaften. Wichtige künftige, aber dann Leider-Doch-Nicht-Mieter wie der ORF zieren sich, in den neuen Hort der Kreativwirtschaft überzusiedeln. Dabei finden sich schon wichtige „Anker-Mieter“ in den ehemaligen Schlachthof-Gebäuden.

 

Das Media Quarter Marx (MQM) besteht aus drei unterschiedlichen Gebäuden, die zusammen den MQM-Campus bilden:

 

»Media Quarter Marx 1:

Das MQM 1 beherbergte einst die Kassenhalle des ehemaligen Schlachthofs St. Marx. Im Jahr 2003 wurde das Gebäude saniert. Hinter dieser Backsteinfassade „versteckt“ befinden sich sieben TV-Studios sowie zahlreiche Schnittplätze und Regien. Betrieben wird MQM 1 von der Marx Media Vienna – der Betreibergesellschaft der Studios. Als Highlight des MQM 1 wird der so genannte Marx Palast bezeichnet, ein voll ausgestattetes 300 Quadratmeter großes Studio (z. B. für „Willkommen Österreich“), das gleichzeitig als Eventlocation genutzt werden kann. Neben den Büros der Marx Media Vienna finden sich auch am Standort produzierende Unternehmen in diesem Gebäude. Denn: Das MQM will eben nicht nur mit kurzen Zugriffszeiten auf digitale Daten, sondern auch mit kurzen Wegen zwischen Büro und Technik punkten.

 

»Media Quarter Marx 2:

Ein weiteres ehemaliges Verwaltungsgebäude des Schlachthofes wurde im Jahr 2009 saniert: das MQM 2, das von den ersten Pionieren am Standort auch als „das Parteiengebäude III“ bezeichnet wird. Dieser Namenszug ist nach wie vor auf dem Gebäude zu finden. Auch beim MQM soll Moderne auf Tradition treffen: Mithilfe einer Wasserwärmetauschpumpe werden die Büros in dem denkmalgeschützten Gebäuden gekühlt und geheizt (Bauteilaktivierung). Darüber hinaus läuft die gesamte Beleuchtung des Gebäudes über LED, was wiederum Energie sparen und Betriebskosten senken soll. Heute arbeiten im MQM 2 eine Reihe von Unternehmen aus den Bereichen Entertainment, Medienproduktion, PR und Design wie die Vienna Film Commission und eine Zweigstelle der Technologieagentur der Stadt Wien (ZIT).

 

»Media Quarter Marx 3:

Das MQM 3 schließlich komplettiert den Medien-Campus. Zu den beiden Backsteingebäuden wurde ein moderner Neubau errichtet, der insgesamt 35.000 Quadratmeter Bruttogeschoßflächen für Medienunternehmer unterschiedlichster Größe bereitstellt. Durch eine leistungsstarke EDV-Verkabelung, fibre to the desk, moderne Klimaanlagen und energieeffiziente Maßnahmen wie Free Cooling soll die Kreativ- und Medienwirtschaft zur Übersiedlung in den 3. Bezirk angeregt werden. Als PPP entwickelt gibt es schon durchaus beachtliche Mieternamen: Neben der „Wiener Zeitung“ und dem „echo medienhaus“ hat auch die „ProSiebenSat.1 PULS 4 Gruppe“ ihre Büros und Studios im MQM bezogen.

 

In der Pipeline befinden sich aber noch genug weitere Projekte in Neu Marx:

 

Karl-Farkas-Gasse 1

Im Jahr 2007 sind die Betriebe aus den ehemaligen Fleischmarkthallen abgesiedelt. 2009 wurden Hallen in der Größe ganzer Häuserblocks abgerissen. Heute ist die Fläche von rund 40.000 Quadratmetern eines der größten innerstädtischen Grundstücke Wiens. Derzeit laufen die Vorbereitungen für eine Nachnutzung dieses „Filetstücks“ als Medien- und Bürostandort mit einer Bruttogeschoßfläche von 160.000 Quadratmetern. Bis dahin wird die Fläche für Veranstaltungen zwischengenutzt.

 

NXT Marx

NXT Marx soll als Bindeglied zwischen der historischen Rinderhalle und dem benachbarten T-Center dienen. Der geräumige Vorplatz und das helle Foyer des Gebäudes werden als Symbol für den „Schritt ins Morgen“ gesehen – quasi ideal für Unternehmen aus der Kreativwirtschaft oder der Informations- und Kommunikationstechnologie.

 

Seit 2012 wird gebaut und im Jahr 2014 soll NXT Marx fertiggestellt werden. Auf einer Bruttogeschoßfläche von 25.000 Quadratmetern kann dann besiedelt werden.

 

Marxquadrat

Das Marxquadrat ist als lang gezogener Baukörper entlang der Südosttangente geplant. Zur Straße hin soll dieses Projekt mit vier Kuben in Holzbauweise errichtet werden. Büro- und gewerbliche Nutzung, aber auch Retail und ein Boardinghouse stehen im Fokus der Verwertung der Bruttogeschoßfläche von 65.000 Quadratmetern. Die architektonischen Herausforderungen waren dabei nicht ohne: Die denkmalgeschützte Rinderhalle grenzt im Osten an die Südosttangente, die das Areal Neu Marx zum Teil durchschneidet.

 

Im gegenüberliegenden Bereich grenzt an die Stadtautobahn ein mehr als 12.000 Quadratmeter großes Grundstück, das parallel zur Litfaßstraße verläuft. Nun sollen die Nutzer auf der einen Seite gegen die negativen Umwelteinflüsse der A23 geschützt werden, auf der anderen Seite ist das Gebäude geöffnet zur Straße.

 

Triple A

Das geplante Projekt der Raiffeisen Property Management GmbH umfasst eine Gesamtnutzfläche von 40.000 Quadratmetern, das sich über vier Gebäude erstrecken wird. Je sechs Stockwerke hoch soll das Raumangebot vielseitig für Büro- und Wohnzwecke genutzt werden können. Die geplante Tiefgarage soll etwa 400 Stellplätze umfassen.

 

Quelle: immobilien-magazin.at